Instrumentenfrequenz-Leitfaden: Vollständige EQ-Referenz für jedes Instrument
1 Warum Wissen über Instrumentenfrequenzen wichtig ist
Jedes Instrument besetzt bestimmte Bereiche des Frequenzspektrums. Zu verstehen, wo die Grundfrequenzen und Obertöne jedes Instruments liegen, ermöglicht es Ihnen, fundierte EQ-Entscheidungen zu treffen, geeignete Hochpassfilter einzustellen und Mixe zu erstellen, in denen jedes Element seinen eigenen Raum hat.
Der Frequenzbereich eines Instruments umfasst sowohl seine Grundfrequenzen (die tatsächlich gespielten Noten) als auch seine Obertöne (Obertöne, die dem Instrument seinen einzigartigen Klang verleihen). Ein Bassgitarrenton hat vielleicht Grundfrequenzen nur bis 400Hz, aber seine Obertöne reichen bis 5kHz oder höher – weshalb Bass auch auf kleinen Lautsprechern hörbar ist, die keine tiefen Frequenzen wiedergeben können.
2 Schlagzeug und Percussion
Kickdrum (30-8000Hz)
Die Kickdrum deckt einen enormen Bereich ab. Subbass (30-60Hz) sorgt für druckvolle Tiefe. Der „Punch“ liegt bei etwa 60-100Hz. Boxigkeit sammelt sich bei 200-400Hz. Das Beater-„Klick“, das sich im Mix durchsetzt, liegt bei 2-5kHz. Moderner Rock und elektronische Musik betonen oft sowohl den Subbass als auch das Klick, während die Mitten abgesenkt werden.
Snare Drum (100-12000Hz)
Der Körper und die „Fülle“ der Snare kommen von 150-250Hz. Der „Knack“ und der Anschlag liegen bei 2-4kHz. Das Snare-Draht-Zischen reicht bis 8-12kHz. Der Bereich 400-600Hz klingt oft boxig und profitiert vom Absenken. Für eine Snare, die sich durchsetzt, konzentrieren Sie sich auf den Bereich 2-4kHz.
Toms (60-10000Hz)
Die Grundfrequenzen des Floor Toms liegen bei etwa 60-80Hz, die der Rack Toms höher bei 100-200Hz. Körper und Ton kommen von 200-400Hz (achten Sie auf Boxigkeit). Anschlag und Sticksound liegen bei 3-5kHz. Jeder Tom benötigt eine individuelle Behandlung – wenden Sie nicht denselben EQ auf alle an.
Hi-Hat und Becken (300-16000Hz)
Becken erzeugen unter 300Hz kaum nützliche Energie – Hochpassfilter daher aggressiv einsetzen. Präsenz und „Stick“-Sound liegen bei 3-6kHz. Schimmer und Luft kommen von 8-12kHz. Härte tritt oft bei 6-8kHz auf. In dichten Mixen benötigen Hi-Hats oft weniger 3-5kHz, um nicht mit dem Gesang zu konkurrieren.
3 Bassinstrumente
E-Bass (40-5000Hz)
Die tiefste Note (tiefes E) hat eine Grundfrequenz von 41Hz; 5-saitige Bässe gehen bis 31Hz. Gewicht und Fundament liegen bei 60-100Hz. Wärme und Körper bei 100-250Hz. „Matsch“ sammelt sich bei 200-400Hz – vorsichtig absenken. Knurren und Präsenz kommen von 700Hz-1,5kHz. Saitengeräusche und Anschlag reichen bis 3-5kHz.
Synth-Bass (30-8000Hz)
Synthesizer können tiefere Frequenzen als akustische Instrumente erzeugen. 808-artiger Bass hat oft Grundfrequenzen bei 30-50Hz. Der Subbassbereich (30-80Hz) ist für elektronische Musik entscheidend. Obere Obertöne, die „Charakter“ verleihen, reichen je nach Syntheseverfahren bis 3-5kHz.
Wichtige Erkenntnis: Bass und Kickdrum konkurrieren oft um denselben Frequenzraum. Entscheiden Sie, welches Instrument den Subbass (30-60Hz) und welches den Punch (60-100Hz) übernimmt. Einen Bereich anheben und den anderen absenken für Klarheit.
4 Gitarren
E-Gitarre (80-12000Hz)
Die tiefste Note (tiefes E) hat eine Grundfrequenz von 82Hz, aber nützlicher Inhalt liegt selten unter 80Hz – Hochpassfilter großzügig einsetzen. Körper und Wärme bei 100-250Hz. Matsch und Boxigkeit bei 200-400Hz. „Honk“ bei 500-800Hz. Präsenz und Biss bei 2-4kHz. Helligkeit und Anschlag bei 4-8kHz.
Akustikgitarre (80-15000Hz)
Ähnlicher Tiefenbereich wie E-Gitarre, aber oft mit mehr tiefen Frequenzen durch Körperresonanz aufgenommen. Boomigkeit bei 200-300Hz ist häufig, besonders bei Nahmikrofonierung. Saiten-Klarheit und „Luft“ reichen höher als bei E-Gitarre, bis 12-15kHz.
5 Keyboards und Klavier
Klavier (27-15000Hz)
Das Klavier hat den breitesten Frequenzbereich aller gängigen Instrumente. Das tiefste A liegt bei 27Hz; das höchste C bei 4186Hz, mit Obertönen, die viel höher reichen. Tiefe Klaviertöne müssen sorgfältig behandelt werden, um den Mix nicht matschig zu machen. Präsenz und Klarheit kommen von 2-5kHz. Brillanz bei 8-12kHz.
Orgel (50-10000Hz)
Pfeifen- und elektronische Orgeln haben eine enorme Bassfähigkeit. Fundament bei 50-200Hz. Körper und Wärme bei 200-500Hz. „Durchsetzung“ bei 1-2kHz. Hammond-Orgeln haben charakteristische Obertöne durch Tonradgeneratoren. Leslie-Lautsprecher sorgt für Bewegung und Präsenz in den hohen Frequenzen.
6 Gesang
Männlicher Gesang (80-12000Hz)
Grundfrequenzen liegen typischerweise zwischen 80-500Hz. Brustresonanz bei 100-250Hz. Nasaler/hohler Klang bei 500-1kHz. Präsenz und Klarheit bei 2-4kHz. Zischlaute bei 5-8kHz. Luft und Atmungsgeräusche bei 8-12kHz. Die meisten männlichen Stimmen profitieren von einem Hochpassfilter bei 80-100Hz.
Weiblicher Gesang (150-15000Hz)
Grundfrequenzen liegen höher als bei männlichen Stimmen, typischerweise 150-800Hz. Brustresonanz weniger ausgeprägt, kann aber bei 150-250Hz für Wärme angehoben werden. Präsenzbereich reicht höher, 3-5kHz. Zischlaute oft ausgeprägter, 6-9kHz. Luft reicht höher, bis 15kHz bei hauchigen Stilen.
7 Streicher und Orchester
Violine (200-15000Hz)
Die tiefste Note ist G3 (196Hz). Reiche Obertöne reichen sehr hoch. Körper bei 200-500Hz. „Kratzen“ zum Durchsetzen bei 2-4kHz. Brillanz bei 6-10kHz. Sehr wenig nützlicher Inhalt unter 200Hz.
Cello (65-10000Hz)
Deutlich tieferer Bereich als Violine, mit tiefster Note C2 (65Hz). Wärme bei 100-250Hz. Körper bei 200-500Hz. Definition bei 2-3kHz. Kann mit E-Bass konkurrieren – schaffen Sie Raum zwischen beiden.
Richtlinie für Hochpassfilter: Stellen Sie Ihren Hochpassfilter knapp unter die tiefste nützliche Note des Instruments. So entfernen Sie Rumpeln, ohne den Klang zu dünn zu machen. Im Zweifelsfall den HPF nach oben schieben, bis Sie eine Klangveränderung hören, und dann leicht zurücknehmen.
8 Dieses Wissen anwenden
Dieses Frequenzwissen sollte Ihre Entscheidungen unterstützen, nicht vorschreiben. Jede Aufnahme ist anders – eine helle Akustikgitarre benötigt möglicherweise eine andere Behandlung als eine dunkle. Verwenden Sie diese Bereiche als Ausgangspunkt zur Erkundung, nicht als starre Regeln. Vertrauen Sie Ihren Ohren mehr als jeder Tabelle.



